Stadtbrauerei Spalt

Im goldenen Buch der Stadt Spalt ist der Stadtbrauerei ein besonderes Kapitel gewidmet. Es heißt darin unter anderem:
»Der altüberkommene Ruhm des Spalter Bieres wurde wieder zu erneuter Blüte gebracht, als die klug vorausschauende Stadtgemeinde Spalt am 24. März 1879 die um 1550 gegründete Lammsbrauerei ersteigerte und zur Kommunalbrauerei umgestaltete.«
Am 15. Februar des Jahres 1879 bereits hatte sich der Magistrat und das Kollegium der Gemeindebevollmächtigten in einer gemeinsamen Sitzung damit beschäftigt, was aus der 1550 gegründeten Lammsbrauerei der Brauereibesitzers- und Gastwirtswitwe Walburga Rutsch werden würde und wie die Stadt ihre Forderungen von 58080 Mark gegenüber der Gastwirtin würde eintreiben können.
In einer weiteren gemeinsamen Sitzung am 4. März 1879 beschloß der Magistrat mit den Gemeindebevollmächtigten zur Erhaltung des Kredits für die Stadtgemeinde das zur Versteigerung anstehende Brauereianwesen bis zu dieser Summe zu ersteigern.
Die Versteigerung selbst wurde von dem Königl. Notar Christ. Pöhlmann in Roth am Sand am 20. März 1879 im Gasthaus zur Krone (das Gasthaus existiert noch heute) in Spalt durchgeführt.
Der »Steigerbrief« enthielt 13 verschiedene Steiger bzw. Objektgruppen. Die Bevollmächtigten der beiden Gemeinde-Gremien ersteigerten das Anwesen dann um 33 355 Mark, also unter der Forderungshöhe, die die Stadt sicherstellen wollte. Daraus geht aber auch hervor, daß aus der Bürgerschaft heraus keine Bereitschaft bestand, das Objekt durch Bildung einer Aktiengesellschaft oder sonstigen genossenschaftlichen Einrichtung zu privatisieren und zu übernehmen.
Vielleicht lag es aber auch daran, daß seinerzeit noch sieben Privatbrauereien existierten, wohl alle einen edlen, dem hohen Ruf des Spalter Hopfens entsprechenden »Stoff«, aber im Quantum viel zu wenig, brauten, so daß das Bier meistens schon im Sommer ausgegangen sein soll. Oder aber man fürchtete auch die sehr hohen Investitionskosten für die notwendige Modernisierung der Brauerei. In den Jahren 1879/81 bereits wendete die Stadt für eine Mälzerei, einen Lager- und Eiskeller weitere 66 377 Goldmark auf.
Die Brauerei wurde am 1. Oktober 1879 in Betrieb genommen.
Ob im Mittelalter schon ein gemeindliches »prayhaus« vorhanden war und dort die Bürger Ihr Bier selber brauen konnten, wie es Christof Haag aus Schwabach in seinen Unterrichtshilfen (1964/65) andeutet, scheint sehr zweifelhaft zu sein. Viel eher ist anzunehmen, daß früher zwölf Privatbrauereien bestanden, von denen dann nur die Lammsbrauerei und als deren Nachfolgerin die Stadtbrauerei übrig blieb.
Die Bierpreise der Brauerei am 1. Juni 1888 waren mit 17,50 Mark pro Hektoliter sehr niedrig.
Wenn man sich an die Bierverkaufspraxis der Brauerei in dieser Zeit zurückerinnert, so mußten die Wirte »Anträge auf Belieferung« stellen und der Magistrat »geruhte« dann, darüber zu entscheiden.

Das Bräustüberl

Das Bräustüberl

Am 14. Februar 1880 stellten die Spalter Brauer und Wirte den Antrag, daß das Bräustüberl der »Stadtbrauerei« zu ihren Gunsten geschlossen werden sollte. Dies wurde abgelehnt. Erst im Dritten Reich wurde dort der Bierverkauf dann eingestellt. Noch heute trauern viele dieser Ausschank- und Begegnungsstätte nach!
Die 1881 bereits eingeführte Regelung, wonach die Stadtbrauerei ihren Hopfenbedarf nur durch Käufe im Stadtgebiet deckte, und zwar ausschließlich bei Klein-Landwirten, galt auch noch nach dem Zweiten Weltkrieg.
Früher war der Grund für diesen Hopfeneinkauf, daß man auf diesem Wege die gemeindlichen Steuern und Umlagen hereinbekam. Später so war es die daraus erwachsende Verbundenheit und Zusammengehörigkeit und vor allem die ausgezeichnete Hopfenqualität, die diese Regelung fortgelten ließ.
1911 wurden zwei Pferde für 4000 Mark gekauft.
Am 3. Januar 1913 wurde der Verkauf von Flaschenbier beschlossen und gleichzeitig, daß »ab und zu« auch ein helles Bier zu brauen sei, dieses aber vorerst nur in Spalt zum Ausschank kommen soll. Bis dahin wurde nur »dunkles« Bier gebraut.
Die Auswirkungen des Krieges 1914/18 zeigten sich kommerziell durch die Zeichnung von 140 000 Mark Kriegsanleihen.
1920 wurde der historische »Hans-Gruber-Sommer-Keller« gekauft.
Die Inflation der Zwanziger Jahre und die damals zu bewältigende Problematik des Geldverfalls, können am besten an Hand eines Briefes an einen Kunden vom 18. Oktober 1923 verdeutlicht werden. Die bis dahin bzw. früher geltende Monatsrechnungsstellung wurde aufgegeben und folgendes festgelegt:
»Vorläufig müssen wir Sie ersuchen, uns den Rest pro September mit einer Milliarde Mark, sowie für den Bierbezug von 12 bis 15 Milliarden Mark gefl. sogleich zur Einzahlung zu bringen!«

Die seitdem in städtischem Besitz befindliche Brauerei ist seit 2006 die letzte kommunale Brauerei Deutschlands.


Bilder der Brauerei

Bilder während des Krieges und kurz danach...

Weiterlesen …

Flaschenetiketten

Bilder einiger Flaschenetiketten aus den 1960zigern...

Weiterlesen …

Bierfilze

Bilder einiger Bierfilze aus den 1960zigern...

Weiterlesen …

Zurück zur vorigen Seite