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Saumarkt
Gänsgasse
Über den Saumarkt
Franz Erich Kollroß: Der "Saumarkt" in Geschichte und Gegenwart
Ein Beitrag zum 8. September 2019.
Vor 30 Jahren, am 3. September 1989, haben der Heimatverein Spalter Land und der Trachtenverein Spalt die "Saumarkt"-Tradition des alten Hopfenzupfer-Festes wieder aufgenommen und in der Fröschau den ersten "Saumarkt" der Neuzeit veranstaltet. Am 8. September ist wieder soweit und damals wie heute hat man anlässlich dieser Festivität den Hopfen wieder von Hand gepflückt, was um 1900 während der Hopfenernte rund 2.000 Erntehelfer nach Spalt gelockt hat. Bei etwa 2.000 Einwohnern in dieser Zeit kann man sich vorstellen, zu welcher Lebendigkeit die vorübergehende Verdoppelung der Bewohnerzahl in dem ansonsten beschaulichen Ackerbürgerstädtchen geführt hat.
Die saisonalen Wanderarbeiter, die vor dem ersten Weltkrieg ab Mitte August und im September in den Spalter Hopfengärten die Ernte einbrachten, waren ein buntes Völkchen, das sich zur einen Hälfte aus in der Region Franken sesshaften Arbeitern rekrutierte. Zu ihnen gesellten sich wandernde Handwerksburschen, nicht sesshafte Arbeiter und sog. "Kunden", denen der verstärkte Polizeiposten während der Hopfenkampagne besonderes Augenmerk schenkte. Diese Melange aus Tagelöhnern, die das Hopfenzupfen als ernsthafte Möglichkeit des Zuverdienstes nutzen, und Vagabunden gab der Erntezeit ihr spezifisches Gepräge, das im "Saumarkt" genannten Hopfenzupferfest kulminierte.
Nachdem sechs lange Arbeitstage während der Woche und der Zapfenstreich um neun Uhr abends kaum Gelegenheit zur Geselligkeit boten, wurde an den arbeitsfreien Erntesonntagen gerne und ausführlich gefeiert. Dies galt im Besonderen für den "Saumarkt"-Sonntag, den die (1904) erstmals erscheinende "Spalter "Zupfianuszeitung" in Gedichten, Karikaturen und lockeren Berichten ausführlich kommentierte. Herausgeber war der Buchdrucker und Verleger Rudolf Fuchs, der sich selbst als "Saumarktschreiber" titulierte und darauf hinwies, dass die Zeitung "unter Mitwirkung der hervorragendsten Strassengrabenpoeten in humoristisch-satyrischer Weise" entstanden sei.
Nach den zeitgenössischen Berichten veranstalteten die Hopfenzupfer zum "Saumarkt" einen prächtigen Umzug von Wirtshaus zu Wirtshaus, der vom rebenbekrönten Hopfenkönigspaar Karl und Cenzi auf Pferden angeführt und der Stadtkapelle musikalisch begleitet wurde. Dieses Großereignis lockte alljährlich aus den Nachbarstädten und selbst aus Nürnberg Unmengen von Besuchern und ferner auch Zigeuner an, die zwar nicht zum Hopfenzupfen zugelassen waren, gleichwohl aber mit ihrer Musik den "Saumarkt" bereicherten.
Das Hopfenzupfer-Straßenfest, an dem nach historischen Rechnungen über Hundert Hektoliter Bier der kommunalen Stadtbrauerei konsumiert wurden, hat die Obrigkeit des Kaiserreichs zuletzt derart gefordert, dass sich im Jahre 1912 schließlich die Sicherheits- und Ordnungsinteressen gegenüber den Unterhaltungsbedürfnissen und dem Geschäftssinn der Spalter Wirte und Händler durchgesetzt hat und der historische "Saumarkt" verboten wurde.
Der "Saumarkt" in seiner Neuauflage konnte natürlich nur an die Zeiten der Handpflücke erinnern und die Umstände und Traditionen ins Gedächtnis rufen, die damit verbunden waren, dass rund 2.000 Menschen aus ganz unterschiedlichen sozialen Milieus und diversen Landstrichen sich in der Kleinstadt Spalt mit der Ackerbürgergesellschaft und ihren Konventionen gegenseitig auseinandersetzen mussten.
Entstanden ist die Idee zu diesem Nostalgie-Revival im Hause des damaligen Hopfenfachwarts Heinrich Asam. Dort haben während der schon mechanisierten Hopfenernte die späteren Vorsitzenden des Heimatvereins und des Trachtenvereins, Franz Erich Kollroß und Thomas Aschenbrenner, darüber nachgedacht, welchen Veränderungen die Hopfenernte vermutlich künftig noch ausgesetzt sein würde und mit Heinrich Asam beschlossen, die Tradition eines Hopfenzupferfestes in die Zukunft zu retten.
Gesagt, getan. Am 3. September 1989, dem Geburtstag von Heinrich Asam, der auch für den mittlerweile stillgelegten Schauhopfengarten neben der Stadtbrauerei verantwortlich gezeichnet hat, war es soweit. In der Fröschau und unter Mithilfe praktisch aller dort angesiedelter Hopfenbauern wurde der erste "Saumarkt" nach der Nachkriegszeit gefeiert. Viele hundert Besucher genossen das gute Spalter Bier, eine frische Schlachtschüssel und die Atmosphäre, die von dem Hopfenzupfer-Wettbewerb, der ersten Wahl einer Hopfenkönigin und dem Hopfenbloder-Umzug durch diesen alten Spalter Stadtteil ausgingen, der mit seinen mächtigen Hopfenhaus-Fassenden die über 650 Jahre währende Hopfenbautradition lebendig widerspiegelt.
Der Heimatverein Spalter Land e.V. führt die vor 36 Jahren begonnene Erinnerung an die Handpflücke und Hopfenbloderkultur früherer Zeiten vor seinem Veithaus in der Gänsgasse fort.
