Geschichte des Heimatvereins

Haus Höllgasse 102
Haus Höllgasse 102

Die Männer, die sich am 23. April 1929 Gedanken über eine Vereinsgründung gemacht haben

  • Stadtpfarrer Franz-Xaver Obeltshauser,
  • Bahnvorstand Nikolaus Sauer,
  • Hauptlehrer Felix Schwarz,
  • Oberkommissär Johann Schlaug,
  • 1. Bürgermeister Anton Wechsler,
  • 2. Bürgermeister Johann Bezold,
  • Mathias Beckenbauer,
  • Wilhelm Scheuerlein,
  • Josef Baumeister,
  • Eduard Rogg und
  • Franz Luber

wollten zunächst eine Art Verschönerungsverein gründen. Dessen Ziel sollte es sein, den Spalter Ortsbereich attraktiver zu gestalten, Denkmäler zu beschreiben und zugänglich zu machen, um so den Fremdenverkehr zu fördern. Felix Schwarz erweiterte dieses Anliegen, in dem er vorschlug, die heimatliche Geschichtsforschung, sowie den Heimat- und Naturschutz mit einzubeziehen und so den Verein auf eine breitere Grundlage zu stellen.

Es folgten dann die ersten Aktionen mit dem Aufstellen von Ruhebänken, Verbesserung der Wege in die umliegenden Schluchten und, was schon erstaunlich ist, eine erste Busfahrt 1934 zum Vogelschutzgelände nach Eschenbach i.d. Oberpfalz.

Das Schlenzgerhaus
Das Schlenzgerhaus

Auch die Brauchtumspflege wurde nicht außer Acht gelassen und so wurde 1929 bei der Stadt beantragt den Johannitag wie früher auf dem Hans-Gruber-Keller zu feiern und dafür die Musik zu bezahlen. Was dann 1930 auch geschah und seither weitgehend beibehalten wurde.

Ebenso wurde eine Reiterstandarte für den Stephansritt angeschafft und am 26.12. 1938 feierlich ihrer Bestimmung übergeben.

Eine starke Belebung des Heimatgedankens wurde 1933 durch den damals kommissarisch eingesetzten Bürgermeister Dr. Schmidt erreicht, der den Heimatverein mit dem Vorschlag, ein Heimatmuseum zu gründen, überraschte und dem es gelang im Rathaus vier Räume im ersten Stock für das Museum frei zu bekommen. Bereits ein halbes Jahr später, im März 1934 wurde zur Eröffnung des Museums eingeladen.

Bedeutete die Gründung des Museums einen Auftrieb für den Heimatgedanken, so wurde diese Entwicklung doch wieder unterbrochen, da Dr. Schmidt als Bürgermeister nach Rothenburg o.d. Tauber abberufen wurde und somit das Museum ohne seinen geistigen Vater blieb und wie aus damaligen Presseberichten zu entnehmen auch nicht mehr gepflegt wurde. Auch durch den Tod von Pfarrer Obeltshauser 1937 blieb die Aufarbeitung der Spalter Ortsgeschichte liegen. Als dann 1943 das Museum wegen Wohnraummangels auf den Dachboden des Rathauses verfrachtet wurde, konnte nicht nur das Amt für Denkmalspflege mit Bedauern feststellen, dass sehr viel Zeit und Mühe für die Museumsarbeit umsonst gewesen waren.

Während des 2. Weltkrieges konnte der Verein keine Tätigkeiten mehr entfalten und danach war wohl anderes zu tun als wieder ein Museum aufzubauen, auch wenn der damalige Vorsitzende Karl Müller bereits 1946 wieder versuchte, den Verein zum Leben zu erwecken.

In der Gänsgasse
In der Gänsgasse

Erst als Felix Schwarz nicht mehr das Amt des Bürgermeisters ausübte, kam es wieder zu einem Neuanfang.

Erste Schritte waren die Wiederaufführung des Festspiels »Die Nürnberger Reis« von Prof. Dr. Merkenschlager im Jahre 1950. Danach ist über Blumenschmuckwettbewerbe, Wegmarkierungen, Ausgestaltung des Kirchplatzes, Wanderungen in die nächste Umgebung und Vorträge über bedeutende Personen der Spalter Stadtgeschichte in den Tätigkeitsberichten zu lesen. Der Heimatverein fand wieder Anschluss an die früheren Zeiten, auch wenn der Neubau eines Heimatmuseums in weite Ferne gerückt war. Selbst das Amt für Denkmalpflege riet damals ab, ein Museum aufzubauen, da keine Räume, zu wenig Ausstellungsstücke und keine Mittel mehr vorhanden waren.

Einen neuen Zeitabschnitt tat sich für den Verein im Jahr 1962 auf als Dr. Willi Ulsamer zum 1. Vorsitzenden gewählt wurde. Er hat das Bild des Heimatvereins, so wie er sich heute darstellt, im wesentlichen mitgeprägt. Unter seiner Leitung wurden die heimatkundlichen Hefte »Aus der Spalter Heimat« herausgegeben, die inzwischen 48 Exemplare aufweisen und in denen Themen aus des Geschichte der Spalter Heimat abgehandelt werden. Auch was die Brauchtumspflege betrifft, so hat hier der Heimatverein neue Zeichen gesetzt. Das Festspiel wird jetzt all fünf Jahre aufgeführt.

In der Fröschau
In der Fröschau

Seit 1967 erscheint am »Unsinnigen Donnerstag« unsere Faschingszeitung, der Razetbote.

Seit 1974 gibt es das Engelhofkapellenfest, das zu einem unverzichtbaren Bestandteil des Spalter Jahresablaufs geworden ist und nicht zuletzt seit 1989, schon unter Erich Kollroß, der Saumarkt, der aus Anlass des Niederfalls am Ende der Hopfenernte gefeiert wird.

Ein Höhepunkt im Wirken von Dr. Ulsamer war die Gestaltung der Spalatingedenktage im Jahr 1984 anlässlich der 500. Wiederkehr von Spalatins Geburtstag. Spalatin war z.Zt. Luthers Geheimsekretär und geistlicher Berater des sächsischen Kurfürsten Friedrich des Weisen und gilt somit als einer der bedeutendsten Persönlichkeiten, die Spalt hervorgebracht hat.

Zu Beginn der 70-er Jahre konnte das Museumsprojekt erneut angegangen und 1979 mit der Einweihung des Heimatmuseums im Arrestturm zu einem ersten Abschluss gebracht werden.
Parallel dazu wurde 1981 der obere Torturm angemietet, um die Substanz dieses Wahrzeichen der Stadt zu erhalten und ihn auch dazu zu nutzen, die Museumsfläche auszuweiten. Es sollte allerdings noch bis zum Jahr 1997 dauern (Vorstand war damals Hans Ottinger), bis der Turm dann mit den Handwerkerstuben der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden konnte.
Die Haupttätigkeit des Vereins in den folgenden Jahren erstreckte sich auf die Renovierung eines Bauernhauses in der Gänsgasse, dessen Substanz sich seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhundert nicht verändert hatte und das als typisches Spalter Hopfenbauernhaus gelten muss.
Die Einweihung dieses Hauses erfolgte im Mai 2006 nachdem es bereits im November 2005 vom Bezirk Mittelfranken als vorbildlich restauriertes Denkmal prämiert worden war.

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